Zwischen großer Kunst, schwerer Geschichte und italienischer Herzlichkeit

Manche Städte drängen sich nicht in den Vordergrund – Ferrara ist so ein Fall. Wer dort ankommt, merkt aber schnell: Gerade darin liegt der Reiz. Für die Zwingenberger Reisegruppe auf dem diesjährigen Weg nach Brisighella wurde der Zwischenstopp in der alten Este-Stadt zu einem echten Auftakt mit Wirkung. Stadtführerin Dorothea Weidemann, die bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Wissen über Ravenna die Gruppe begeisterte, nahm die Teilnehmer mit in eine Stadt, die sich nicht laut inszeniert, aber mit Renaissance, Geschichte und Charme überzeugt. Mit kenntnisreichen Erzählungen und lebendigen Anekdoten führte sie durch die frühere Hauptstadt der Herrscherfamilie Este und zeigte, warum die Stadt ein bedeutendes Zentrum der Renaissance ist. Wurde Ferrara doch neben seinem mittelalterlichen Stadtkern völlig neu strukturiert und steht bis heute als Meilenstein für die moderne europäische Stadtplanung.

 

Doch die diesjährige Fahrt nach Brisighella hatte noch eine ganz andere, nachdenkliche Seite. In Marzabotto, im Gebiet von Monte Sole, begegnete die Gruppe den Spuren eines Massakers, durchgeführt von deutschen Truppen, das 1944 etwa 770 Zivilisten das Leben kostete. Zeugenberichte, Ruinen und die zerstörte Kirche machten das Geschehen auf beklemmende Weise greifbar. Begleitet von Mitarbeitenden der Friedensschule Monte Sole durchliefen die Teilnehmer mehrere Stationen, die Vergangenheit nicht nur vermittelten, sondern sie spürbar machten. Der anschließende Workshop half, das Erlebte einzuordnen – und u.a. die Frage mitzunehmen, welche Verantwortung aus Erinnerung erwächst.

 

Erst danach führte die Reise in die Partnerstadt Brisighella, wo die Teilnehmer nicht nur vertrauten Gesichtern begegneten, sondern auch die italienische Gastfreundschaft erlebten. Dazu kommt ein Stadtbild, das von Burg, Uhrturm und der Via degli Asini geprägt ist, jener überdachten, erhöhten Straße, die mitten durch den ersten Stock einer Häuserzeile verläuft und als architektonische Besonderheit des Ortes gilt.

 

Auch inhaltlich hatte der Aufenthalt einiges zu bieten: Ein Vortrag unter dem Titel „Wie heizt Italien?“ nahm die Energieversorgung des Landes und die geografischen Besonderheiten der Po-Ebene in den Blick. Hinzu kam die Führung im Kloster von Fognano, wo die Nonnen die Gruppe mit einem Mittagessen bewirteten. Und fast schon filmreif wirkte schließlich das Straßenfest in der Altstadt von Brisighella, organisiert von den Bewohnern der Via degli Asini, das dem Ort eine ganz eigene Lebendigkeit verlieh. Dazu kam ein Abstecher nach Cervia, wo das Salzmuseum und das Meer für einen stimmungsvollen Ausklang sorgten.
 

Am Ende blieb der Eindruck einer Reise, die weit mehr war als ein Besuch in der Partnerstadt und die so viele Facetten vereinte: Kunst, Geschichte, Begegnung sowie italienische Lebensart – und genau das machte sie so besonders.

Text: A. Bertram

Druckversion | Sitemap
Impressum | Datenschutz
© Freundeskreis Brisighella