Entstehungsgeschichte der Städtepartnerschaft

 

Aufgrund der schrecklichen Erlebnisse des 2. Weltkrieges ist die Europäische Gemeinschaft bestrebt, Brücken zwischen den Völkern Europas zu bauen und Vorurteile gegenüber den Menschen in den anderen Ländern Europas abzubauen. Solche Annäherungen werden mit entsprechenden Maßnahmen und, wo nötig, mit finanziellen Mitteln gefördert und unterstützt.

In Hinblick auf diese Ziele und die Möglichkeiten, europäische Hilfe für eventuelle gemeinsame Vorhaben zu erhalten, suchte der damalige immer sehr rührige Bürgermeister von Brisighella, Cesare Sangiorgi, nach möglichen Partnern in anderen Ländern.

Brisighella liegt in der italienischen Region Emilia Romagna. Seit dem Jahre 1992 ist die Region Emilia Romagna in einer Partnerschaft mit dem deutschen Bundesland Hessen verbunden.

Als gegen Ende 1999 der Leiter des Seniorenpflegeheimes in Brisighella zur Teilnahme an einem Kongress in Mainz über die Altenpflege aufbrach, wurde er gebeten, sich einmal umzuschauen und eine eventuell geeignete Gemeinde in Hessen zu finden. Während dieses Kongresses wandte sich dieser Herr mit seinem Anliegen an die Vorsitzende des Kongresses und beschrieb seine eigene Gemeinde. Die Dame nannte ihm wegen einiger Übereinstimmungen oder nur Ähnlichkeiten die Kleinstadt Zwingenberg an der Bergstrasse. Sofort besuchte der Herr kurz Zwingenberg und trug vor, dass seine Gemeinde Brisighella an einer Partnerschaft im Europäischen Sinn mit einer gleichen oder ähnlich ausgerichteten Gemeinde in Hessen interessiert wäre.

Die Stadtväter Zwingenbergs berieten sich, zumal ihre Stadt schon zwei Partnerstädte in anderen Ländern hatte, nämlich Pierrefonds in Frankreich und Tetbury in England. Eine Verschwisterung mit einer Gemeinde in Italien konnte da gerade recht sein, zumal Italien ja von uns Deutschen immer gern besucht wird. Man beschloss, sich diese Gemeinde Brisighella in Italien erst einmal anzusehen und organisierte eine Delegation bestehend aus Magistratsmitgliedern und den Vorsitzenden der Fraktionen im Parlament unter der Führung des damaligen Bürgermeisters Kurt Knapp zu Anfang Mai 2000 (Artikel BA-Zwingenberg 6./7. Mai 2000). Die Delegation kam durchweg begeistert über die gut gepflegte Stadt und die Herzlichkeit der Bewohner, den Empfang und die Betreuung zurück (Artikel BA-Zwingenberg 9. Mai 2000).

Von beiden Seiten wurde damals schon die gegenseitige Bereitschaft zu einer Verschwisterung bekundet. Das Parlament in Zwingenberg beschloss, umgehend die Verschwisterung mit dieser Stadt einzugehen. Gründe dafür gab es genug. Die Einwohnerzahl liegt bei beiden Gemeinden mit etwa 7.000 gleich. Lediglich die Flächengrößen unterscheiden sich. Brisighella zählt mit den diversen Ortsteilen etwa 194 km², während Zwingenberg mit seinem einzigen Ortsteil lediglich 5,66 km² misst. Jedoch haben beide Gemeinden einen historischen Stadtkern vorzuweisen, liegen beide in einer hügeligen Landschaft, bauen beide Wein an und betreiben sonstige Landwirtschaft. Brisighella ist es gelungen, durch vielerlei Feste und Veranstaltungen sowie durch die Heilquellen, viele Besucher und Touristen zu begeistern.

Im September 2000 kam es zu einem Gegenbesuch einer Delegation aus Brisighella und die Verschwisterung war perfekt und offiziell besiegelt. Ende November lud Kurt Knapp die interessierten Bürger Zwingenbergs zu einem Treffen ein und erläuterte, dass es besser wäre, die praktische Durchführung des Kennenlernens, Begegnens, Treffens und gegenseitiger Besuche über einen entsprechenden Verein laufen zu lassen, wie das ja schon im Verschwisterungsverein Pierrefonds und Tetbury gehandhabt werde. Alle 40 Teilnehmer dieser Versammlung erklärten sich spontan bereit und gründeten sofort (innerhalb von 62 Minuten) provisorisch diesen Verein, der aber erst in eine Form gebracht musste. (BA-Zwingenberg 1. Dezember 2000). Im Januar 2001 wurde der Verein dann offiziell und formgerecht mit entsprechenden Wahlen des Vorstandes gestaltet.

Diese offizielle städtische Verschwisterung hat sich inzwischen zu weit mehr entwickelt als zu einer Verschwisterung zwischen den Gemeinden. Das Ziel der Europäischen Gemeinschaft des Abbaus von Vorurteilen und der Annäherung zwischen den Völkern ist längst überschritten. Vereine, Parteien und weitere Gruppen treffen und besuchen sich. Es haben sich private Freundschaften gebildet zwischen einzelnen Personen und ganzen Familien hier und in Brisighella. So wurde im August 2016 in der nach der Partnerstadt benannten Brisighellastraße anläßlich des Besuches der Brisighellesen ein gemeinsam von Anwohnern und Vereinsmitgliedern organisiertes gelungenes Fest mit Besuchern aus der Partnerstadt gefeiert. Die Bewohner dieser Straße und umliegender Nachbarstraßen sind längst auch privat befreundet mit Familien in Brisighella. Kinder und Jugendliche kennen einander zum Teil seit Jahren und freuen sich auf die gegenseitigen Besuche mit geplanten oder spontan von ihnen selbst erdachten gemeinsamen Aktivitäten. Es gibt regelmäßige Kontakte, Korrespondenz und Telefonate zwischen Zwingenbergern und Brisighellesen. Gern werden Besucher gegenseitig zu Sehenswürdigkeiten des eigenen Umfeldes geführt und diese erläutert.

Immer wieder betonen auch die Freunde aus Brisighella, dass diese Städtepartnerschaft schon längst keine lediglich offizielle Verschwisterung mehr sei, sondern eine feste private Freundschaft zwischen Menschen hier und in der Emilia Romagna.

 

Autor:  Hans Wrona, 2. Vorsitzender und Gründungsmitglied

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